Die Insel Grenada

Marina in der Prickley Bay

Marina in der Prickley Bay


27.12.09 – 8.1.2010

Jetzt sind wir fast 2 Wochen auf Grenada und dies obwohl wir beim Einlaufen am 27.12. ein wenig enttäuscht waren. Landschaftlich ohne Zweifel eine wunderschöne Insel, sehr grün, stark bewaldet und hügelig, von Riffen und Stränden eingesäumt.

Die Ansteuerung sollte unbedingt bei Tag erfolgen und erforderte daher einen Start in Tobago um Mitternacht. Wir spulen die 80 sm recht flott ab und sind schon um 10 Uhr vormittags in der von uns auserkorenen Prickley-Bay, wo wir von weitem circa 100 Schiffe erkennen können.

Die im Führer beschriebene Marina besteht allerdings nur aus zwei Stegen an denen 10 Schiffe mehr im Schwell schaukeln als die Ankerlieger. Dort wollen wir sicher nicht hin. Wir hatten vor, uns nach der der Atlantiküberquerung einmal eine Marina zu leisten, einfach auszusteigen und an Land zu gehen, zu duschen, Schiff zu entsalzen usw. In Tobago war das nicht möglich – auf der ganzen Insel gibt es keine Marina. Und hier das – eine Enttäuschung.

Sundowner

Sundowner

Rundherum viele Schiffe – aber die Bucht ist groß und es ist locker Platz für alle. An der NW-Seite der Bucht befindet sich eine weitere Marina – diese besteht aus einem Dingi-Steg und einem großen Bootsyard, also auch nichts für uns. Wir suchen uns ein freies Plätzchen zum Ankern und steuern mit dem Dingi die „Marina“ an der Ostseite zum Einklarieren an. Auch ein kleines Geschäft und ein Restaurant mit einer Strandbar gibt es. Dort leisten wir uns am ersten Abend dann einen Sundowner – sehr stimmungsvoll – und auch ein Ersatz für den entgangenen Marinakomfort.

Kräftiger Regen in der Nacht entsalzt das Schiff ohne unser Zutun und wir springen am Morgen ins 29° warme Wasser – so können wir die entgangene Marina gut verkraften.

Dinghisteg

Dinghisteg

Da wir in der Mitte der Bucht hängen ist die Fahrt mit dem Dinghi in beide Richtungen gleich weit für uns. In der Budget Marina im NW gibt es einen Segelmacher, einen gut sortierten Schiffsausrüster und die Transportmöglichkeiten sind besser.
Von hier kommt man mit Bus oder Taxi in ca. 10 Min. in den nächsten größeren Ort Grand Anse. Diese gute Verbindung nützen wir am 2. Tag um zur Bank und dann anschließend in den nächsten großen Supermarkt zu kommen. Von der sengenden Mittagssonne in das stark klimatisierte Einkaufszentrum, wo wir sinniger Weise mit „let ist snow, let it snow“ aus den Lautsprechern begrüßt werden – schließlich ist ja Weihnachten.

Und dieser Supermarkt hat es in sich. So ungefähr stellen wir uns die Märkte in Amerika vor. Das Angebot ist riesig und wir bekommen vor Staunen den Mund kaum zu. Wir packen den Einkaufswagen voll Obst, Gemüse, Fleisch, Wurstwaren, Brot, Säfte – hier gibt es wirklich fast alles – zwar nicht wirklich günstig aber immerhin. In ganz Tobago gab es diese Vielfalt nicht annähernd.

Um unsere Fleisch- und Milchprodukte gut nach Hause zu bringen, erstehen wir eine zusammen-klappbare Kühltasche mit Rädern – die sich als gute Investition herausstellt.

Ungefähr zwei Stunden später und mit vollen Taschen schwer beladen, verlassen wir wieder den unterkühlten Supermarkt und prallen erst mal vor der Hitze zurück. Aber es bleibt uns nicht erspart – wir müssen raus in die Sonne. Das Angebot eines Taxifahrers uns für 40 EC$ (ca.11 Euro) zurückzufahren lehnen wir ab. Mit dem Bus kostet es uns einen kleinen Fußweg und 5 EC$.

Und das Busfahren ist hier wirklich ein Erlebnis – das wollen wir uns nicht nehmen lassen.

gestrandet

gestrandet

In den nächsten Tagen erkunden wir mit dem Schiff ein wenig die umliegenden Buchten. Viel Segeln können wir nicht – müssen wir uns doch erst mal an die doch etwas heikle Riffnavigation gewöhnen. Da sollte man zu richtigen (Mittags-)Zeit – nicht gegen die Sonne – und immer mit einem scharfen Blick voraus unterwegs sein. Die Korallenriffe wachsen und wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Karten genau stimmen.
Immer wieder beobachte ich mit bangem Blick die sich über den nahen, seichten Riffen brechenden Wellen aber Edi führt uns gut und sicher durch die schmalen Einfahrten. So „üben“ wir uns bei 20 kn Wind ein paar Stunden in Riffnavigation und sind dann doch froh, als wir am Nachmittag in einer schönen großen und rundum sicheren Bucht hängen.

geschützte Ankerbucht

geschützte Ankerbucht

Dass wir alleine hier ankern, erhöht deren Reiz noch. Zwar ist die Bucht von Mangroven umringt und das Wasser entsprechend trüb, aber schließlich kann man nicht alles haben und schön zum Baden ist es trotzdem. Vor allem aber dringt kein Schwell in die Bucht und daher will Edi hier wieder einmal in den Mast um das Großfall für die kommenden Amwind-Kurse am Masttop zu befestigen.

Blick vom Mast

Blick vom Mast

Anschließend verbringen wir hier unseren Silvesterabend in totaler Ruhe – einmal ganz anders.

Zwei Tage – einmal alleine und ein zweites Mal mit Bernd vom Traumjäger, der uns von Tobago nachgekommen ist – nehmen wir uns einen Leihwagen, um ein wenig mehr von der Insel zu sehen. Linksfahren, Rechtslenker, Blinker links – sind wir ja schon gewöhnt.

Ausflug mit dem Leihauto

Ausflug mit dem Leihauto


Grenada ist wunderschön und wir sind erstaunt und begeistert gleichermaßen von der üppigen Vegetation – die Natur scheint hier zu explodieren. Der Straßenrand ist gesäumt von Papayabäumen, Bananenpalmen, Brotfruchtbäumen und jede Menge Pflanzen, die ich mich zwar bemühe zu identifizieren – was mir jedoch nur selten gelingt. Zwischendurch stehen einerseits wunderschöne gemauerte Häuser mit Garten und dann wieder einfache Holzhütten. So bunt die Menschen und die Pflanzen hier sind so farbenprächtig sind auch ihre Häuser.
üppige Vegedation

üppige Vegedation

Egal ob groß und schön oder nur klein und auch schon ein wenig verfallen – alles ist mit kräftigen Farben versehen – grün, pink, gelb, rot, rosa, lila, blau – einfach unglaublich für uns. Viele der Häuser hier stehen auf ungefähr 2 m hohen Stelzen – darunter sieht man bunte Kleider auf der gespannten Wäscheleine im Wind flattern, Menschen in Hängematte ihre Siesta halten, Haustiere wie Ziegen, Schafe od. Hunde im Schatten stehen.
Der offene Raum unter den Häusern wird gut genützt. Immer wieder treffen wir auf Menschen die hier an der Straße im Schatte eines Baumes beieinanderstehen oder sitzen und sich unterhalten. Alle grüßen freundlich – sind fröhlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. „Hallo, wie geht es dir, wo kommst du her, schönes neues Jahr“ – immer wieder werden wir angesprochen und gegrüßt und nie haben wir dabei ein unangenehmes Gefühl.

am Markt

am Markt

Einer der Höhepunkte der Rundfahrten ist für mich ganz sicher der samstägliche Früchtemarkt in der Hauptstadt St. George. Hier werden einheimische Früchte und Gemüsesorten verkauft. Ich kann mich gar nicht satt sehen an all den fremdartigen Dingen, die hier angeboten werden. Neugierig fragen wir immer wieder, was denn da verkauft wird. Und auch hier sind die Menschen freundlich und mit den Namen erfahren wir auch gleich die passenden Anleitungen, wie die Früchte gegessen oder gekocht werden müssen. Wir haben den Eindruck, die Menschen freuen sich über unser Interesse. Natürlich wollen wir nicht nur schauen sondern kaufen auch gleich einige der angebotenen Waren.

Eine große Stachelannone ist dabei unser leckerster Kauf. Dazu bekommen wir eine kleine reife Frucht zum sofortigen Verzehr geschenkt. Sie schmeckt säuerlich-cremig wie frische Erdbeeren mit Rahm. Als wir uns danach die klebrigen Hände waschen, werde ich von einer alten Frau angesprochen. Sie hat uns beim Essen zugesehen und erklärt mir jetzt was man alles aus dieser Frucht zubereiten kann, Eis, Cremen, Saft, Kuchen und noch einiges andere mehr. Freundlich fast ein wenig spitzbübisch blitzen ihre Augen bei der Erklärung – offensichtlich haben wir eben eine der Spezialitäten, die hier Sour Sop genannt werden, verspeist.

Reich beladen mit Yam-Wurzeln, Limonen, Passionsfrüchte, Papaya und Kochbananen verlassen wir den Markt wieder und fahren weiter. Als uns Hunger und Durst dann am frühen Nachmittag in ein kleines Restaurant treiben –wir sind zwar anfangs die einzigen Gäste – erhalten jedoch wieder einmal eine Lektion an Freundlichkeit der Bevölkerung.

Die Wirtin – die ihre etwas pummelige Figur in ein rosafarbenes Kleid gehüllt hat – begrüßt uns mit einem offenen freundlichen Lächeln. Speisekarte gibt es keine – aber dafür erhalten wir eine Kostprobe. Nach ihrer Erklärung handelt es sich dabei um große Muscheln in einer sauer-scharfen Sauce. Wir probieren beide – und Edi bestellt eine Portion davon – ich halte mich lieber an den mir angebotenen gegrillten Fisch. Das Essen ist köstlich und als wir uns von der Wirtin verabschieden, haben wir das Gefühl als freue sie sich wirklich, dass uns ihr Essen geschmeckt hat. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie uns zum Abschied an ihren breiten Busen gedrückt hätte.

Heizer in der Rumfabrik

Heizer in der Rumfabrik


Zwei Mal auf unseren Inseltouren besuchen wir eine Rumfabrik. Beim ersten Mal ist es Samstag Nachmittag und wir sind uns nicht klar, ob die Fabrik für Besucher offen oder geschlossen ist. Wir können uns zwar auf dem Gelände der Fabrik frei bewegen und erhalten auch über die angebrachten Anschlagtafeln Infos wie die Erzeugung hier funktioniert. Aber sonst kümmert sich niemand um uns. Wir treffen auf zwei Arbeiter – einen Heizer, der schweißüberströmt große Holzstücke in den Ofen schiebt und einen etwas mürrisch Eindruck macht – was wir ihm allerdings auch nicht übel nehmen können – und einen jungen Mann, der unsere Frage, ob wir uns hier umsehen können, eher schüchtern bejaht, um sich dann bei nächster Gelegenheit zu verdrücken.

Zuckerrohr-Transportmittel

Zuckerrohr-Transportmittel


So wandern wir auf dem Fabrikgelände herum, sehen in alle Räume und erkundigen uns im auf dem Grundstück stehenden, offenen Restaurant, wo man den hier erzeugten Rum denn kaufen kann. Eine freundliche Kellnerin zeigt uns die Flaschen und klärt uns auf, dass dies in jedem Supermarkt möglich ist. Na, sehr geschäftstüchtig scheinen sie hier nicht zu sein.

Bei der zweiten Rumfabrik, die wir besuchen – diesmal mit Bernd – bekommen wir eine fachkundige Führung von einer jungen freundlichen und wieder mal etwas pummeligen Frau. Sie wandert mit uns durch die Fabrik und erklärt uns das ganze Prozedere, vom Auspressen des Zuckerrohrs bis zum Endprodukt Rum, Arbeiter sehen wir jedoch keine. Auf unsere dementsprechende Frage erzählt sie uns hinter vorgehaltener Hand in Flüsterstimme, dass hier zurzeit gestreikt wird – für mehr Geld und Urlaub.

Zum Glück streikt sie nicht und wir bekommen nach der Führung noch eine Verkostung der verschiedenen Rumsorten. Bis max. 75% Alkoholgehalt darf der Rum hier verkauft werden – mehr ist illegal. Als wir dann erstaunt fragen wer denn Rum mit mehr als 75% trinkt – schnalzt unsere Führerin nur genießerisch mit der Zunge – das sagt alles. Diesen Rum müssen sie dann allerdingt im Wald kaufen – verrät sie uns noch mit schelmisch blitzenden Augen. Das ist nichts für uns, deshalb halten wir uns an den Rum der hier verkauft wird und erhöhen wieder mal den Alkoholanteil unserer Vorräte.

Cul8r zwischen den Riffen

Cul8r zwischen den Riffen

Ein weiterer Besuch im schon bekannten Supermarkt – diesmal mit Einkaufsliste – und wir sind bereit für die Weiterfahrt. Ausklarieren müssen wir dafür nicht, Carriacou, die nächste Insel, gute 30 sm von der Hauptstadt St.George entfernt, gehört noch zu Grenada.

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