Tahiti

3.7.-16.07.11

Nochmals retour – ehe Segelboote die Nordeinfahrt von Papeete – der Hauptstadt von Tahiti – passieren dürfen, müssen sie sich auf Kanal 12 eine Durchfahrtserlaubnis holen. Wir haben das unterlassen und müssen noch einmal raus. Der Kanal verläuft vor und hinter der Rollbahn von Papeetes Flughafen und auf Anfrage erhalten wir dann die Genehmigung zu passieren.

Luxushotelhütten

Luxushotelhütten

Kurz bevor wir die Rollbahn queren, meldet sich nochmals den Tower : „Segelboot Cul8r bitte warten – in drei Minuten kommt ein Flugzeug“. Also „parken“ wir im engen Kanal und geben dem kleinen Flieger Vorrang. Schließlich benötigen wir unser Rigg noch länger. Dann haben wir es endlich geschafft und versenken um Punkt 14 Uhr unseren Anker im weichen Sand auf drei Meter Wassertiefe – genau gegenüber der Taina Marina.

Ankerplatz vor Papeete

Ankerplatz vor Papeete

Rund um uns ankern hier noch mindestens 150 andere Boote und so fühlen wir uns in keiner Weise einsam.

immer wieder ein Schauspiel

immer wieder ein Schauspiel

Beim abendlichen Sundowner, als Papeete langsam in der Dunkelheit verschwindet und von den umliegenden Booten nur mehr ein paar schaukelnde Lichter zu sehen sind, lassen wir unsere bisherige Reise ein wenig Revue passieren.

Einzug vor zwei Jahren

Einzug vor zwei Jahren

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren haben wir unsere Wohnung, unsere Arbeit, Freunde und Familie in Wien verlassen, um unseren Traum zu leben.

Unglaublich, was wir in diesen beiden vergangenen Jahren erlebt und gesehen haben. Nicht immer war alles schön, aber nachträglich gesehen, möchten wir keinen Augenblick davon missen.

auch für uns scheint nicht immer die Sonne

auch für uns scheint nicht immer die Sonne

Und jetzt haben wir es wirklich geschafft –Tahiti der Traum aller Segler – ein ganz klein wenig sind wir auch stolz darauf die Strecke bis hierher ohne größere Schwierigkeiten gemeistert zu haben. Da war wohl auch eine gute Portion Glück dabei.

Marokko - ein Märchen

Marokko - ein Märchen

Mit den Erinnerungen unserer bisherigen Reise lassen wir uns von den Wellen in den Schlaf schaukeln.

Am nächsten Tag freue ich mich dann schon sehr auf unseren Einkauf beim nahen Supermarkt. Schon mehr als drei Monate ist es her, seit wir an so gut gefüllten Regalen entlang spaziert sind und ich möchte keines davon auslassen.

Der arme Edi muss diese Tortur volle vier Stunden lang ertragen. Erst mit dem Versprechen, dass dies sicher nicht unser letzter Einkauf hier ist, kann er mich hier weglocken.

auch hier gibt es Tikkis

auch hier gibt es Tikkis

Aber Papeete hat mehr zu bieten als nur gute Einkaufsmöglichkeiten. Es gibt sogar öffentliche Busse und so lassen wir uns am nächsten Tag in die gut 10km entfernte Stadt führen. Dort wollen wir einklarieren und nach einem Bummel die berühmten Roulottes besuchen.

bei den Roulottes

bei den Roulottes

Das sind fahrende Garküchen die täglich ab 18:30Uhr auf dem Platz vor dem Hafen aufgestellt werden. Dort bekommt man auf Plastiktischen und Hockern chinesische Küche, Grillspeisen und Crepes serviert. Die Preise sind für hiesige Verhältnisse günstig und das Ambiente ist toll. So beschließen wir hier auch Edis morgigen Geburtstag zu feiern.

Geburtstagskind

Geburtstagskind

Wieder am Boot erweist sich unser schöner Ankerplatz als doch nicht so gut. Durch unterschiedliche Wind und Strömungsverhältnisse werden wir von den beiden Booten links und rechts von uns „in die Zange genommen“ und müssen noch in der Nacht ein neues Plätzchen suchen.

Geburtstagsgesellschaft

Geburtstagsgesellschaft

Am nächsten Tag feiern wir einen ganz besonderen Geburtstag an einem ganz besonderen Ort. Die Crews von Barnstorm, Remedy und Nicone sind unserer Einladung gefolgt und gemeinsam genießen wir einen kleinen Umtrunk auf der Cul8r, fahren danach in die Stadt und lassen uns bei den Roulottes verwöhnen. Zum Ausklang gibt es dann noch ein Gläschen Wein bei uns. Auch ohne Geschenke war dies wohl einer der schönsten Geburtstage, den wir beide je erlebt haben.

Kanuparkplatz

Kanuparkplatz

Doch was Feiern anlangt, können wir noch viel von den freundlichen Polynesiern lernen. Wozu wir um diese Jahreszeit viele Möglichkeiten finden. Dies ist nämlich die Zeit der Heiva – was so viel wie „Zusammenkunft“ bedeutet. Auf allen Inseln franz. Polynesiens werden die besten Sing-, Tanzgruppen und die schnellsten Paddler ermittelt, die dann zu den großen Ausscheidungswettkämpfen nach Papeete fahren dürfen.

die Bühne bei Tag

die Bühne bei Tag

In einem eigens dafür errichteten Stadion finden die Tanz- und Singbewerbe statt. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen und genießen einen Abend lang traditionelle Gesänge und Tänze. Wobei vor allem die Gesänge gewöhnungsbedürftig sind. Leider ist fotografieren bei diesen Aufführung verboten und wird auch streng überwacht.

verbote Aufnahme

verbote Aufnahme

Die Sänger treten in langen, Nachthemd- ähnlichen Gewändern auf, sind meist etwas älter und entsprechen fast alle dem polynesischen Schönheitsideal. In den mindestens 100 Personen großen Tanzgruppen hingegen sind durchwegs junge, hübsche und schlanke Menschen zu sehen. Unter den tanzenden Mädchen kann man auch den einen oder anderen Transvestiten finden.

im Park

im Park

Dies ist hier nicht verwunderlich – Männer in Frauenkleidern trifft man auch auf der Straße öfter an, sie sind als „das dritte Geschlecht“ fixer Bestandteil der Gemeinschaft.
Hier ist es üblich, dass in Familien wo überwiegend Söhne geboren werden, einer von ihnen die Rolle der fehlenden Tochter übernimmt, deren Aufgaben als Haushaltshilfe und die Betreuung der jüngeren Kinder. Manche kehren während der Pubertät in ihre angeborene Rolle zurück, viele bleiben jedoch in der ihnen anerzogenen Rolle und leben als Frau.

letzte Vorbereitungen

letzte Vorbereitungen

Für die Paddelwettbewerbe fahren wir zum Hafen von Papeete. Da sich diese jedoch mit anderen Wettkämpfen überschneiden, sehen wir nicht viel davon. Allerdings sind die Paddler mit ihren Auslegerkanus schon seit den Marquesas ein vertrautes Bild für uns.

die Speerwerfer

die Speerwerfer

Ich wollte lieber bei den traditionellen Wettkämpfen dabei sein. Wir sehen Speerwerfer, die nur mit Paeros bekleidet und Blumenkränzen geschmückt versuchen, mit zwei Meter langen Speeren eine Kokosnuss zu treffen, welche an einer ca. 10m hohen Stange befestigt ist.

das Ziel

das Ziel

In einem anderen Bewerb messen sich Männer in verschiedenen Gewichtsklassen in dem sie große unförmige Steine auf die Schulter heben.

wer ist der Stärkste

wer ist der Stärkste

Danach wird unter zehn Männern der schnellste „Kokosnussauspacker“ ermittelt. Das einzige Hilfsmittel dabei sind zugespitzte Holzstäbe die in den Boden gerammt werden. Die Kokosnüsse werden dabei mehrmals auf die Holzspitzen geschlagen.

volle Konzentration

volle Konzentration

Beim ersten Schlag teilt sich der dicke Sisalmantel und wird danach geschickt von der Nuss getrennt. In 10 Minuten schaffen sie es einen großer Berg Kokosnüsse zu „entpacken“. Wir hätten in dieser Zeit nicht einmal eine Nuss ausgeschält.

sieht leichter aus als es ist

sieht leichter aus als es ist

Am Ende kommt dann mein Lieblingswettbewerb – das Kopra-herstellen. Zwei Frauen-Dreiergruppen treten dabei gegeneinander an. Innerhalb von 10 Minuten muss ein großer Berg Kokosnüsse geöffnet und das Kokosfleisch herausgelöst werden. Außerdem sollen die Kokosstücke in einen großen Sack gepackt und die Kokosnussreste auf einen ordentlichen Berg zusammen gelegt werden.

so sehen Sieger aus

so sehen Sieger aus

Gewonnen hat die Gruppe in der drei Generationen, nämlich: Großmutter, Mutter und Tochter, gemeinsam ein Team bilden. Die Tochter teilte mit einer Hacke die Kokosnüsse, wobei sie nur selten einen zweiten Hieb benötigte, Mutter und Großmutter arbeiteten mit einem speziell gebogenen Werkzeug daran das Kokosfleisch aus den Nüssen zu lösen. Es ist unglaublich spannend anzusehen und wir feuern gemeinsam mit den anderen Zuschauern unsere Favoriten an.

harte Arbeit

harte Arbeit

Auch wenn einige Touristen unter den Zuschauern der Spiele sind, so merkt man doch, dass diese nicht die eigentliche Ursache dafür sind. Diese Heiva feiern die Polynesier vor allem füreinander und die getragenen Kleider und Kränze wirken nicht wie eine Verkleidung, sondern vermitteln etwas von dem traditionellen Leben auf den Inseln.

am Markt

am Markt

Auch im Alltag sehen wir immer wieder Frauen, die in einem Paero (Wickeltuch) gewickelt sind und/oder einen Blumenkranz als Kopfschmuck tragen. Aus Palmblättern werden Stirn und Armbänder geflochten und am Vatertag erhielten diese in der Kirche Blumenkränze um den Hals gelegt.

All das drückt einen Teil der Lebensfreude und Liebenswürdigkeit dieser aufgeschlossenen und hilfsbereiten Menschen aus.

Sonntagsarbeit

Sonntagsarbeit

„Guten Morgen“- lautes Klopfen am Rumpf unserer Cul8r lassen uns aus dem Schlaf hochfahren. Verd… wir haben verschlafen. Zehn Minuten später sitzen wir, noch das Sandmännchen in den Augen, im Dinghi mit Leena und Peter von der Nicone. Es war meine Idee, Sonntagmorgen um 6:30 Uhr aufzustehen, um den Sonntagsmarkt in der Stadt zu besuchen.

am Weg in die Stadt

am Weg in die Stadt

Laut meinem Führer treffen sich dort viele Bauern aus dem Hochland um ihre Produkte zu verkaufen. Das wollte ich erleben – einziger unsicherer Punkt ist der Bus. Wir wissen nicht ob er überhaupt am Sonntag fährt und Fahrpläne dafür gibt es auch nicht. Also versuchen wir es einfach und das Glück ist uns hold. Um 6:50 Uhr sitzen wir schon im Bus.

hier ist was los

hier ist was los

Das Spektakel, welches sich uns beim Markt bietet, entschädigt uns dann auch für das frühe Aufstehen.

Viele Menschen drängen sich durch die aufgestellten Buden vor dem Markt auf denen sich die verschiedensten Sorten von Obst und Gemüse türmen. Im Gebäude selbst verkaufen einige Stände klein aufgeschnittene Stücke von Schweinefleisch und Würsten.

bitte anstellen

bitte anstellen

Dies ist – wie wir auf Nachfrage erfahren – ein beliebtes Sonntagsfrühstück der einheimischen Bevölkerung. Die Dame, die wir gefragt haben, kauft uns dann auch gleich eine Kostprobe – es schmeckt nicht schlecht, aber Frühstück ist das für mich keines. Viel lieber ist mir der frische Zuckerrohrsaft, den wir ebenfalls verkosten.

Zuckerrohrsaft - erste Pressung

Zuckerrohrsaft - erste Pressung

Wir kaufen unter anderem Salat, Süßkartoffeln, Mangos und Bananen – wobei der Verkäufer uns noch einmal so viele Bananen wie bezahlt schenkt. Er meint, Segler benötigen viele Bananen – recht hat er, wir freuen uns darüber.

Schwer beladen, versuchen wir dann eine Bushaltestelle zu finden. Doch alle Leute, die wir fragen, meinen, dass am Sonntag kein Bus mehr fährt. Ein Mann bietet uns an, uns nach Hause zu führen, wenn wir uns in seinem Wagen zusammendrängen wollen, wir müssen nur auf seine Frau warten, die noch am Markt einkauft.

toller Fang

toller Fang

Noch ehe wir dieses freundliche Angebot annehmen können, fährt der Bus vor und hält genau vor der Markthalle. So danken wir dem hilfsbereiten Polynesier und verstauen uns und unsere Einkäufe im Bus.

Seglertreffen

Seglertreffen

Da sich viele der Segler unserer morgendlichen Funkrunde in Papeete befinden, hat Chrissi von der Sharkita einen gemeinsamen Abend am Strand organisiert. Jeder bringt etwas mit und so haben wir Gelegenheit die Menschen kennenzulernen, von denen wir bisher nur die Stimmen über Funk gehört haben.

Abschied von Tahiti

Abschied von Tahiti

Dieser gemütliche gemeinsame Abend wird unser letzter in Papeete. So sehr wir es auch genießen, langsam haben wir genug vom Trubel der Stadt und den vielen Menschen. Unsere Vorräte sind wieder aufgestockt und es geht weiter – das nächste Ziel ist die Nachbarinsel Moorea, nur 9 Seemeilen entfernt.